Möbel und Schuhe können zu Elektroschrott werden

Die Rücknahme von elektronischen und elektrischen Geräten wird ausgeweitet. Betroffen sind nun auch Möbel und Kleidungsstücke mit entsprechenden Bauteilen.

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Recycling von Elektroschrott in Peru
Recycling von Elektroschrott in Peru(Bild: Mariana Bazo/Reuters)

Ab dem 15. August 2018 müssen deutlich mehr Produkte mit elektrischen und elektronischen Bauteilen nach Gebrauch als Elektroschrott entsorgt werden. Hintergrund ist eine Neuregelung im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), wonach künftig alle entsprechenden Geräte unter das Gesetz fallen, sofern sie nicht von den Ausnahmen in Artikel 2 des Gesetzes betroffen sind. Zu dem neuen “offenen Anwendungsbereich” des Gesetzes zählen beispielsweise Möbel mit elektrischen Funktionen, wie ein elektrisch verstellbarer Sessel, oder auch Kleidung, wie blinkende Turnschuhe.

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Solche Geräte dürfen dann nicht mehr über den Haus- und Sperrmüll oder die Altkleidertonne entsorgt werden. Der Hinweis dazu ist das Symbol einer durchgestrichenen Mülltonne. Die Zahl der Sammelkategorien wird von 10 auf 6 reduziert. Dazu zählen Wärmeüberträger, Bildschirme und Monitore, Lampen, Großgeräte, Kleingeräte und kleine Geräte der Informations- und Telekommunikationstechnik.

Gerät muss fest verbunden sein

Allerdings sind nicht alle Möbel oder Kleidungsstücke betroffen, die über eine elektrische Funktion verfügen. Nach Angaben der Stiftung Elektro-Altgeräte-Registrierung (Stiftung EAR), bei der Händler und Hersteller die Produkte anmelden müssen, hängt dies davon ab, ob es sich “tatsächlich auch um eine Funktion des zu beurteilenden Produkts handelt, oder ob gegebenenfalls zwei voneinander getrennte Produkte vorliegen”. Letzteres könnte der Fall sein, wenn in einer Wohnzimmerschrankwand eine Leuchte montiert sei, die einfach ausgebaut und ausgetauscht werden könne. Ein Badezimmerschrank mit integrierter Spiegelleuchte sei hingegen als einheitliches Elektroprodukt zu bewerten.

Die Rücknahmepflicht für den Handel wird damit ebenfalls ausgeweitet. Allerdings gelten hierbei die Einschränkungen der Regelung, die bereits am 31. Juli 2016 in Kraft getreten war. Demnach muss das Geschäft eine Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern für Elektrogeräte haben. Bei Onlinehändlern wird deren Versand- und Lagerfläche berechnet. Dem Gesetz zufolge müssen Geräte mit einer Kantenlänge bis 25 Zentimeter ohne Kassenbeleg und ohne Kauf eines neuen Geräts zurückgenommen werden. Größere Geräte dürfen Kunden nur beim Kauf eines neuen kostenlos abgeben.

Kritik von Umweltschützern

Ziel des Gesetzes ist es, die Sammelquote für Elektroschrott zu erhöhen. Nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) wurden 2016 in Deutschland 667.800 Tonnen Altgeräte stofflich verwertet, aber nur etwa 1,5 Prozent zur Wiederverwendung vorbereitet. Der Anteil der komplett wiederverwendeten Geräte habe 2015 bei 3.500 Tonnen gelegen. Die europäische WEEE-Richtlinie setze hingegen ambitioniertere Standards für das Recycling, welche auch die notwendige Separierung von Geräten zur Wiederverwendung einschließt und den Zugang von Wiederverwendungsbetrieben an die Sammelstellen.

Die Neuregelung des ElektroG werde das noch erschweren. “Die neuen Kategorien von Groß- und Kleingeräten führen laut Branchenexperten zu einer starken Zerstörung der Altgeräte durch Erfassung und den Transport”, schreibt der Nabu. Entsorgungsbetriebe beklagten zudem, dass es beispielsweise bislang keine Recyclingwege für Schuhe mit Lampen gebe.