Müslischale auf vier Rädern

Umweltfreundlich werden Autos wohl nie sein. Doch der Schaden lässt sich begrenzen, wie neue Entwicklungen zeigen. Vom Antrieb über die Produktionsprozesse bis zum Anbauort der verbauten Ökorohstoffe durchleuchtet die Industrie mittlerweile die gesamte Kette.

Ein Bericht von Daniel Hautmannveröffentlicht am
BMW i3: Verkleidung aus Kenaf, Sitzbezüge aus Schurwolle, Armaturenbrettelemente aus Eukalyptusholz
BMW i3: Verkleidung aus Kenaf, Sitzbezüge aus Schurwolle, Armaturenbrettelemente aus Eukalyptusholz(Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Kapok. Ananas. Kenaf. Hanf. Eukalyptus. Klingt fast nach einer kerngesunden Müslimischung? Denkste! Diese – zum Teil ungenießbaren – Naturmaterialien stecken in immer mehr Autos. Sie zieren Armaturenbretter, verkleiden Türen, bespannen Sitze oder bringen Karosserien in Form. Vieles spricht für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe: Sie haben meist eine bessere Kohlendioxid-Bilanz (CO2) als Blech, Kunststoff und Co, sie sind leichter und besser zu recyceln. Viele sind zudem unendlich verfügbar und haben gute Verarbeitungs- und Crasheigenschaften. Für Volker Quaschning, Ingenieur und Energieexperte, führt am Einsatz solcher Ökowerkstoffe kein Weg vorbei: “Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir Kunststoffe ersetzen”, sagt er.

Inhalt:
  1. Recycling: Müslischale auf vier Rädern
  2. Wie öko sind nachwachsende Rohstoffe?

Das heißt aber nicht, dass Autos in Zukunft auf dem Kompost verrotten werden. Unterm Strich stecken nach wie vor viele problematische Stoffe in den Kisten. Überhaupt liegt der ökologische Spurwechsel weniger an der Liebe zur Umwelt als an der europäischen Gesetzgebung: Sie gibt die Quoten vor. Demnach müssen Fahrzeuge bis zu 95 Prozent verwertbar sein. Das lässt sich nur mit nachwachsenden Rohstoffen erreichen.

Kein Wunder also, dass immer mehr Hersteller auf nachwachsende Rohstoffe setzen. Im aktuellen Golf finden sich rund 100 solcher Bauteile. Auch Audi setzt in manchen Modellen auf Baumwollvliese, Holz und Holzfaserwerkstoffe. Mercedes verbaut die Naturwerkstoffe weniger sichtbar in Verkleidungsbauteilen. Was technisch machbar ist, hat BMW eindrucksvoll mit dem Projekt i gezeigt.

Die Münchner haben die Natur fast schon in ihren Elektrokleinwagen i3 integriert:

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  • Verkleidungsteile aus Kenaf-Fasern ersetzen nicht nur erdölbasierte Kunststoffe, sondern senken das Gewicht im Vergleich zu konventionellem Material um bis zu 30 Prozent.
  • Sitzbezüge aus Schurwolle sind atmungsaktiv und regulieren die Temperatur zwischen Körper und Sitzfläche besonders gut.
  • Elemente aus Eukalyptusholz, etwa auf dem Armaturenbrett, benötigen rund 90 Prozent weniger Oberflächenveredelung als herkömmliche Hölzer.
  • Die Ledersitze werden mit einem Extrakt aus Olivenblättern gegerbt. Das ersetzt viele giftige Stoffe, die sonst zum Einsatz kommen, wenn Leder gegerbt wird.

“Die Marke i ist ein Inkubator für neue Technologien, ein Innovationstreiber”, sagt Daniela Bohlinger, Leiterin Sustainability in Design bei BMW. Sie war maßgeblich am Entwurf und der Materialauswahl des i3 beteiligt.

“Inzwischen haben wir vom i3 100.000 Fahrzeuge gebaut”, sagt Bohlinger. “Als der Wagen 2013 auf den Markt kam, war er das erste Auto mit einem CO2-Lifecycle. Wir produzieren in Leipzig mit 100 Prozent Ökostrom, verbrauchen in der Produktion 70 Prozent weniger Wasser.” Die Batteriemodule lassen sich laut Bohlinger als Solarenergiespeicher wiederverwenden und die überschüssigen Karbonfasern können wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt werden.

Doch ausnahmslos umweltschonend sind auch nachwachsende Rohstoffe nicht.

Wie öko sind nachwachsende Rohstoffe?  
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