Neues Bucerius Kunstforum will gesellschaftliche Diskussion

Direkt aus dem dpa-NewskanalHamburg (dpa/lno) – Mit der Ausstellung “Here We Are Today. Das Bild der Welt in Foto- & Videokunst” feiert das Bucerius Kunstforum in Hamburg seine Neueröffnung. Neben dem Rathaus, nur wenige Meter vom bisherigen Standort entfernt, sind nach den Plänen der Architekten Gerkan, Marg und Partner (gmp) hinter einer historischen Fassade vier Etagen für die Künste entstanden. “Museen und Ausstellungshäuser übernehmen neue Aufgaben in der Gesellschaft und werden von reinen Repräsentationsräumen für Kunst zu Orten intensiver Auseinandersetzung mit uns und unserer Gegenwart”, sagte Geschäftsführer Andreas Hoffmann am Mittwoch in Hamburg.Der neue Ausstellungssaal erstreckt sich im Gegensatz zum alten Gebäude auf einer Ebene und kann als ein einziger, über 800 Quadratmeter großer Saal genutzt oder in viele kleine Kabinette unterteilt werden. Für das Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Konzerten, Diskussionen und Vorträgen ist eine eigene Etage entstanden. Mit dem Auditorium und einem angrenzenden Lichthof verdoppelt sich damit die Fläche für Veranstaltungen.

Im Erd- und Untergeschoss gibt es deutlich großzügigere Servicebereiche und einen größeren Museumsshop. “Der Entwurf basiert auf der Überzeugung, dass sich historische und neue Architekturelemente nicht widersprechen, sondern sich gegenseitig ergänzen und verstärken”, sagte Architekt Sebastian Flatau.

In der Eröffnungsausstellung werden 80 Fotografien und sieben Videos von zeitgenössischen Künstlern gezeigt, die sich mit den Fragen einer globalisierten Gesellschaft auseinandersetzen. “Gemeinsam ist den versammelten Werken, dass sie den Betrachtenden ganz unmittelbar ansprechen, berühren, zum Nachdenken und Hinterfragen der eigenen Position anregen wollen”, sagte Kuratorin Kathrin Baumstark. Eingeteilt sind die Arbeiten in die Themenbereiche Identität, Heimat, Vergangenheit, Verbrechen und Kapital.

So zeigt die iranische Künstlerin Shirin Neshat Schwarz-Weiß-Fotografien von Menschen, deren Beruf, soziale Klasse, Nationalität oder Ethnie nicht identifizierbar sind. Dabei stammen alle aus Aserbaidschan. Der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo porträtiert Menschen auf einer Müllhalde für Elektroschrott in der ghanaischen Hauptstadt Accra und macht so deutlich, wie die Konsumgesellschaft ihre Opfer fordert.

Die Fotografin Eva Leitolf reagiert in ihrer Fotoserie “Deutsche Bilder – eine Spurensuche” auf eine Reihe rechtsextremer Gewalttaten gegen Asylsuchende in den 1990er Jahren. Sie fotografierte die Tatorte der Anschläge, Sympathisanten im Umfeld, Opfer sowie unbeteiligte Zuschauer und wirft dabei die Frage auf “Ist das unsere Heimat?”. Andreas Gursky ist mit seinem Werk “Amazon, 2016” vertreten, dass die Lagerhalle des Versandriesen in Phoenix, Arizona, zeigt.