Nur 45 Prozent des Elektroschrotts werden korrekt entsorgt

 | Redakteur: Julia Schmidt

Elektrogeräte enthalten wertvolle Rohstoffe wie Kupfer oder Gold, aber auch Schadstoffe, die zum Schutz von Mensch und Umwelt ordnungsgemäß entsorgt werden müssen. Deutschland ist aktuell allerdings weit vom europäischen Mindestziel von 65 Prozent in 2019 entfernt.
Elektrogeräte enthalten wertvolle Rohstoffe wie Kupfer oder Gold, aber auch Schadstoffe, die zum Schutz von Mensch und Umwelt ordnungsgemäß entsorgt werden müssen. Deutschland ist aktuell allerdings weit vom europäischen Mindestziel von 65 Prozent in 2019 entfernt.(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Firmen zum Thema

IBR Leiterplatten GmbH & Co. KG
ELEKTRONIKPRAXIS – Wissen. Impulse. Kontakte.

Die Elektroschrott-Sammelquote verbleibt bei 45 Prozent. Deutschland ist damit weit vom europäischen Mindestziel von 65 Prozent in 2019 entfernt und im Vergleich zu anderen europäischen Staaten weit abgeschlagen.

Im EU-Ländervergleich ist Deutschland bei der Elektroschrottsammlung abgeschlagen. Mit einer Sammelquote von 44,95 Prozent lag Deutschland bereits 2016 deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 48,79 Prozent. Andere EU-Staaten erreichten bereits 2016 weit höhere Sammelquoten, so etwa Irland mit 58,2 Prozent oder Schweden mit 66,4 Prozent. Seither hat sich die Rate nicht verbessert. Das Bundesumweltministerium musste nun auch für 2017 einräumen: nicht einmal die Hälfte des Elektroschrotts wird ordnungsgemäß erfasst. Deutschland ist damit noch weit vom europäischen Mindestziel von 65 Prozent in 2019 entfernt.

Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) haben Testbesuche die schlechte Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben im Handel belegt. Die DUH fordert deshalb die massive Verschärfung der Rücknahmeverpflichtung für Handel und Industrie. Die Einführung eines verbindlichen Pfandsystems für kurzlebige und umweltrelevante Elektrogeräte wie Mobiltelefone sei sinnvoll und notwendig.

Viele Händler boykottierten die Rücknahmepflichten

„Dass mehr als die Hälfte des oft mit Schadstoffen belasteten Elektroschrotts illegal entsorgt und exportiert wird, ist ein Offenbarungseid für eine gescheiterte Abfallpolitik, die diese Bundesregierung fortsetzt. Um das EU-Sammelziel von 65 Prozent in 2019 zu erreichen, muss sich Bundesumweltministerin Schulze endlich vom gescheiterten Prinzip der ‚freiwilligen Vereinbarungen‘ verabschieden. Vor diesem Hintergrund ist es inakzeptabel und geradezu fahrlässig, dass Discounter, die in großer Menge Elektrogeräte verkaufen, nicht zur Rücknahme von Elektroschrott verpflichtet werden. Dies muss noch in diesem Jahr geschehen“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Hauptverantwortlich für die niedrigen Sammelmengen von Elektroschrott sind nach Einschätzung der DUH die Handelsunternehmen. Zwar müssen diese seit dem 24. Juli 2016 unter bestimmten Voraussetzungen ausgediente Elektrogeräte zurücknehmen, allerdings zeigen Testbesuche der DUH, dass viele Händler die Rücknahmepflichten boykottieren.

„Während der Handel mittlerweile mehr als zwei Millionen Tonnen Elektrogeräte pro Jahr verkauft, werden über ihn jährlich nur rund 100.000 Tonnen Altgeräte zurückgenommen. Unsere Testbesuche zeigen, dass viele Händler die Rücknahme verweigern, erschweren oder gesetzeswidrig nicht darüber informieren. In der Folge werden hunderttausende Tonnen Elektroschrott ins Ausland exportiert oder fälschlich im Restmüll entsorgt. Dabei schaden Flammschutzmittel und Weichmacher unbehandelt freigesetzt Mensch und Umwelt“, erklärt Philipp Sommer, Stellvertretender Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei der DUH.

Vereinfachung der Rücknahmeverpflichtung

Um die illegale Entsorgung von Elektroschrott zu stoppen, fordert die DUH eine massive Ausweitung und Vereinfachung der Rücknahmeverpflichtung für Händler. So sollten Verbraucher beim Kauf eines neuen Geräts ein ähnliches Altgerät kostenfrei zurückgeben können. Händler mit einer Gesamtverkaufsfläche sowie Online-Händler mit einer Lager- und Versandfläche von mehr als 100 m² sollten Elektroaltgeräte unter 50 Zentimetern auch unabhängig vom Kauf eines neuen Geräts zurücknehmen.

Damit sich Händler und Hersteller aktiv um die Rücknahme bemühen, sollten diese zur Veröffentlichung ihrer Sammelquoten verpflichtet werden. Nur wenn Verbraucher über die Rücknahme von Elektroschrott informiert werden, bringen sie diese auch zurück in die Läden. Deshalb sollten Händler am Verkaufsregal, bzw. auf der Produktwebseite, aktiv auf die kostenlosen Entsorgungsmöglichkeiten hinweisen und bei Nichteinhaltung sanktioniert werden.

„Die viel zu laschen Vorgaben für Handel und Industrie zur Sammlung von Elektroaltgeräten müssen dringend verschärft werden. Sie entlassen zudem viele Unternehmen aus der Verantwortung, weil sie nur die gesamte Branche, nicht jedoch einzelne Akteure zur Rücknahme bestimmter Mengen Elektroschrott verpflichten. Umweltministerin Schulze muss nachbessern und dafür sorgen, dass die Einhaltung der Sammelquote für Elektroschrott von einzelnen Unternehmen sichergestellt wird. Sammelangebote für private Haushalte und Gewerbe müssen zudem flächendeckend angeboten werden. Ein Pfandsystem für besonders umweltrelevante und kurzlebige Geräte, wie etwa Smartphones, ist dabei zwingend notwendig, um die Rückgabequote gerade dieser ressourcenintensiven Geräte zu erhöhen“, sagt Resch.

Rohstoffquelle Elektroschrott

Rohstoffquelle Elektroschrott

02.06.16 – Ausgediente Elektronikgeräte sind eine Rohstoffquelle. Allerdings werden immer noch nicht alle wertvollen Materialien – wie etwa Kunststoffe – wiederverwendet. Das soll das EU-Projekt CloseWEEE nun ändern.lesen

Strategien im Kampf gegen den Elektroschrott

Strategien im Kampf gegen den Elektroschrott

30.01.17 – Dem Elektroschrott den Kampf ansagen – das war ursprünglich das Ziel einer Studie zur sogenannten geplanten Obsoleszenz des Umwelt-Bundesamtes. Eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte soll die Lösung sein. Ein umsetzbarer Vorschlag?lesen

ElektroG: Ab 1. Dezember 2018 treten die letzten Änderungen in Kraft

ElektroG: Ab 1. Dezember 2018 treten die letzten Änderungen in Kraft

28.11.18 – Am 15. August 2018 wurde das Elektrogesetz (ElektroG) vom Geschlossenen auf den Offenen Anwendungsbereich umgestellt. Produktkategorien und Gerätearten wurden angepasst. Nun werden die letzten Änderungen nachgezogen: Ab dem 1. Dezember werden die im Gesetz aufgeführten Sammelgruppen neu gegliedert.lesen

ElektroG: Diese passiven Endgeräte sind bis 1. Mai zu registrieren

ElektroG: Diese passiven Endgeräte sind bis 1. Mai zu registrieren

08.03.19 – Im Zuge der europäischen Harmonisierung stuft die Stiftung ear ab dem 1.5.2019 passive Endgeräte, die den Strom lediglich durchleiten, auch als Elektro- oder Elektronikgerät ein. Details dazu lesen Sie in diesem Beitrag.lesen

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unterwww.mycontentfactory.de (ID: 46024643 / Consumerelektronik)