Razzia auf den Wertstoffhöfen

Geschlossenes Tor des Wertstoffhofes Lochhausener Straße 32
Alle zwölf Münchner Wertstoffhöfe waren wegen einer Durchsuchungsaktion am Donnerstag geschlossen.

(Foto: Florian Peljak)

Bargeld, Drogen und sieben Festnahmen: 180 Polizisten haben die Wertstoffhöfe der Stadt durchsucht. Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs sollen in großem Stil Elektrogeräte, die zur Wiederverwertung vorgesehen waren, gestohlen haben.

Es geht um Diebstahl, Bestechung und Hehlerei, im Fokus der Ermittlungen stehen Mitarbeiter von Wertstoffhöfen sowie Gebrauchtwarenhändler: Angestellte des Münchner Abfallwirtschaftsbetriebs haben offenbar systematisch Elektrogeräte und andere Gegenstände, die Bürger zur Entsorgung auf die Wertstoffhöfe brachten, gestohlen und weiterverkauft.

Am Donnerstag durchsuchten 180 Polizisten in einer groß angelegten Aktion alle zwölf Wertstoffhöfe in München, auch in Wohnungen der Angestellten und der beschuldigten Händler beschlagnahmten die Beamten Unterlagen. Sieben Verdächtige wurden festgenommen, sie sitzen nun in Untersuchungshaft. Bei zwei weiteren Beschuldigten prüfen die Fahnder derzeit, ob sie Haftbefehle beantragen sollen. Die Wertstoffhöfe mussten wegen der Ermittlungen am Donnerstag für Kunden geschlossen bleiben.

Insgesamt durchsuchten Polizisten am Donnerstagmorgen 26 Objekte in München, neben den Wertstoffhöfen und Wohnungen der Beschuldigten auch die Firmensitze der betroffenen Gebrauchtwarenhändler. Die Ermittler stellten dabei 30 000 Euro Bargeld und bei einem der Verdächtigen auch eine Gaspistole sicher.

In einem Spind eines der mutmaßlichen Täter fanden die Beamten zudem eine größere Menge Betäubungsmittel, er wird sich nun auch noch wegen Drogenbesitzes verantworten müssen. In der Firma eines der Hauptbeschuldigten beschlagnahmten die Fahnder zahlreiche Elektrogeräte – die Polizei wird nun prüfen, ob sie von Wertstoffhöfen stammen und illegal weiterverkauft werden sollten.

Zahlreiche Münchner mussten mit ihren vollbepackten Fahrzeugen umkehren

120 Frauen und Männer beschäftigt der Abfallwirtschaftsbetrieb auf seinen Wertstoffhöfen, sie sind im Rotationsverfahren auf allen Anlagen im Wechsel tätig – weshalb die Polizei am Donnerstag auch alle Areale sperren und durchsuchen ließ. Die Verantwortlichen der Stadt reagierten schnell und stellten Mitarbeiter ab, die den Bürgern vor den geschlossenen Toren erklärten, warum sie ihren Sperrmüll und andere Abfälle an diesem Tag nicht entsorgen können. Zahlreiche Münchner mussten mit ihren vollbepackten Fahrzeugen umkehren. Von diesem Freitag an sind die Wertstoffhöfe wieder geöffnet.

Eigentlich sind die Mitarbeiter dort beauftragt, noch gut erhaltene Gegenstände auszusortieren und aufzubewahren. Sie gehen dann entweder zum Weiterverkauf an gemeinnützige Organisationen wie zum Beispiel den Weißen Raben in der Landsberger Straße, wo Langzeitarbeitslose oder kranke und behinderte Menschen etwa als Verkäufer eine Beschäftigung finden.

Oder der Abfallwirtschaftsbetrieb verkauft die Geräte in der sogenannten Halle 2 in der Sachsenstraße am Schyrenbad selbst weiter. “Hier können Bürger die gebrauchten Waren zu erschwinglichen Preisen erstehen”, sagt ein Sprecher. Im Angebot sind neben Elektrogeräten wie Computern oder Mikrowellen regelmäßig auch Möbel. Eben diese Wertstoffe, die nach der Entsorgung durch die Bürger in den Besitz der Stadt übergehen, zweigten die Mitarbeiter nun offenbar systematisch ab und spielten sie den Händlern zu, die sie dann in ihren Läden weiterverkauften.

Wie lange Angestellte und Händler schon zusammen arbeiteten und welcher Schaden dem Abfallwirtschaftsbetrieb und gemeinnützigen Organisationen dadurch entstanden ist, blieb am Donnerstag unklar. Die Beamten müssen die beschlagnahmten Unterlagen laut Polizei erst auswerten.